Kurz gesagt: Für die meisten, die gern Rad fahren und dabei Unterstützung wünschen, ist ein E-Bike eine gute Wahl. Es ersetzt aber kein Training: Wer unsicher auf dem Rad ist, lange nicht gefahren ist oder das Rad nicht schieben und abstellen kann, sollte zuerst üben und gezielt ausprobieren, bevor er kauft. Dieser Beitrag hilft Ihnen einzuschätzen, zu welcher Gruppe Sie gehören.
Wann ein E-Bike besonders sinnvoll ist
- Sie sind früher viel geradelt und wollen wieder einsteigen, ohne dass Hügel oder Gegenwind abschrecken.
- Ihre Gelenke oder Ihre Kondition setzen Grenzen. Die Unterstützung senkt die Belastung. Wie viel Bewegung für Sie sinnvoll ist, klären Sie am besten kurz mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin.
- Sie wollen kürzere Strecken ohne Auto erledigen: Einkauf, Arzt, Besuch. Dafür reicht oft schon ein einfaches Modell mit mäßiger Motorstärke (siehe Welcher Motor passt?).
- Sie fahren in hügeliger Gegend und würden ohne Motor nur noch selten aufs Rad steigen.
Wann Sie vorher üben oder genauer hinsehen sollten
- Ihr Gleichgewicht ist unsicher oder Sie sind lange nicht Rad gefahren. Üben Sie zuerst auf einem normalen Rad oder bei einer Probefahrt mit Begleitung.
- Sie können das Rad kaum schieben, heben oder in den Keller bringen. Das Bike-Magazin rechnet in seiner Motorenkaufberatung mit etwa 25 Kilogramm Gesamtgewicht, im ADAC-Test von Tiefeinsteigern war das schwerste Rad 28,8 Kilogramm schwer. Fragen Sie beim Händler nach dem Gewicht und probieren Sie das Abstellen aus.
- Sie haben Schwindel, Sehprobleme oder nehmen Medikamente, die die Reaktion beeinflussen. Das ist eine Frage für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, nicht für einen Ratgeber.
Für Menschen, die mit einem normalen Zweirad nicht mehr sicher zurechtkommen, kann ein Dreirad eine Alternative sein. Dazu können wir hier keine Empfehlung geben, weil wir solche Räder bisher nicht prüfen.
Was die Unfallzahlen wirklich sagen
Hier ist Ehrlichkeit wichtig. Laut Statistischem Bundesamt starben 2024 in Deutschland 192 Menschen auf einem Pedelec, bei den Pedelec-Nutzern waren 68,8 Prozent der tödlich Verunglückten 65 Jahre oder älter. Das heißt nicht, dass E-Bikes für Ältere besonders riskant sind, denn die meisten Nutzer sind eben älter. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) schreibt 2015 aber auch: Ältere Fahrer haben mehr Schwierigkeiten im Umgang mit dem Pedelec, und Alleinunfälle sowie Unfälle bergab kommen häufiger vor als bei normalen Rädern. Als Gründe nennt die Polizei Berlin das zusätzliche Gewicht, ein verändertes Bremsverhalten und einen längeren Bremsweg, außerdem unterschätzen andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit.
Was Sie daraus machen können
- Probefahren und üben, bevor Sie im Verkehr fahren: Auf- und Absteigen, Anfahren, Bremsen, Kurven und Wechseln der Unterstützungsstufen auf ruhigen Wegen. Eine Checkliste steht in Probefahrt beim E-Bike-Händler. Auch Verkehrswachten bieten Trainings an.
- Helm tragen. Eine Pflicht gibt es nicht, aber die Polizei Berlin und die UDV empfehlen ihn ausdrücklich.
- Rahmen wählen, der zu Ihnen passt: Warum der Einstieg wichtig ist, steht in Tiefeinsteiger oder Diamantrahmen und die Einstellung in Rahmengröße und Sitzposition.
- Passende Modelle finden Sie in unserer Kaufberatung.
Wo diese Einschätzung an Grenzen stößt
- Wir sind keine Ärzte und keine Verkehrssicherheitsexperten. Die Einordnung oben ist unsere Lesart der Quellen.
- Die Zahlen stammen aus verschiedenen Jahren (Destatis 2024, UDV-Studie 2015) und sagen nichts über Ihr persönliches Risiko.
- Die Hinweise ersetzen keinen Rat Ihres Arztes, wenn Sie gesundheitliche Einschränkungen haben.
Quellen: Polizei Berlin, „Pedelecs als Mobilitätsgarant – Chance oder Risiko?“ (berlin.de, 2022); Statistisches Bundesamt (Destatis), Unfallstatistik Fahrräder/Pedelecs 2024; Pedelecs & E-Bikes, Bericht zur UDV-Studie (pedelec-elektro-fahrrad.de, 2015); Bike-Magazin, Kaufberatung E-Bike-Motoren (bike-magazin.de); ADAC, „Pedelecs im ADAC Test: Sind E-Bikes unter 2000 Euro zu empfehlen?“ (adac.de, 2024). Stand der Informationen: Oktober 2026.



