Kurz gesagt: Die Reichweite aus dem Prospekt ist ein Bestwert. Im Alltag bleiben oft nur etwa 50 bis 70 Prozent davon übrig, bei Hügeln, Gegenwind oder Frost auch deutlich weniger. Planen Sie Ihre Strecke deshalb nicht mit der Herstellerzahl, sondern mit einer Reserve: Wer regelmäßig Touren fährt, sollte den Akku so wählen, dass er die Strecke auch an einem schlechten Tag und in ein paar Jahren noch schafft.
Was die Herstellerangabe bedeutet
Die Kapazität eines Akkus wird in Wattstunden (Wh) angegeben. Als grober Richtwert unter günstigen Bedingungen nennen Händler und Testportale etwa 60 Kilometer für einen 375-Wh-Akku und etwa 80 Kilometer für einen 520-Wh-Akku. Solche Werte gelten für flache Strecken, die niedrigste Unterstützungsstufe und milde Temperaturen. Auch die Zahlen in diesem Artikel sind Beispiele aus diesen Quellen, keine Messwerte von uns, und sie gelten nur für einen Fahrer ohne nennenswertes Gepäck.
Was die Reichweite im Alltag verkürzt
| Faktor | Wirkung laut Quellen | Was Sie tun können |
|---|---|---|
| Hügel und Steigungen | Größter Reichweitenfresser: aus 100 km auf flacher Strecke können knapp über 30 km werden. | Großzügig Reserve einplanen; ab etwa „viele Anstiege“ lieber einen größeren Akku wählen. |
| Körpergewicht und Gepäck | Beispiel: 50 kg Fahrerin etwa 100 km, 100 kg Fahrer etwa 80 km. Einkäufe oder Anhänger kosten nochmals etwa 10 bis 15 %. | Mit Ihrem tatsächlichen Gesamtgewicht rechnen, nicht mit der Herstellerangabe. |
| Unterstützungsstufe | Dauerbetrieb in der höchsten Stufe verbraucht erheblich mehr Energie. | Überwiegend niedrige oder mittlere Stufe, nur am Berg hochschalten. |
| Fahrstil | Gleichmäßiges Tempo mit sanftem Anfahren bringt gegenüber Stop-and-go bis zu 20 % mehr. | Früh in einen leichten Gang schalten, vor Ampeln rollen lassen. |
| Gegenwind | Starker Gegenwind kann aus 100 km etwa 60 km machen. | Hinweg gegen den Wind planen, Rückweg mit Rückenwind. |
| Kälte | Bei Frost kann die verfügbare Kapazität um bis zu 40 % sinken. Das ist kein Defekt und gleicht sich bei Wärme wieder aus. | Akku vor der Fahrt im Warmen lassen; mehr dazu in unserem Winter-Artikel. |
| Akkualter | Ein älterer Akku liefert spürbar weniger Kilometer als ein neuer. | Beim Gebrauchtkauf nach Alter und Ladezyklen fragen. |
Die Faktoren addieren sich nicht einfach, sie wirken zusammen. Ein schwerer Fahrer mit Gepäck, der bei Gegenwind und Kälte bergauf fährt, landet schnell bei einem Bruchteil der Prospektangabe.
Was das für Ihre Akkuwahl heißt
Rechnen Sie lieber rückwärts: Wie weit fahren Sie an einem normalen Tag, und wie weit an einem langen? Nehmen Sie die längste Strecke, die Sie regelmäßig fahren, und planen Sie so, dass der Akku sie auch mit den ungünstigen Faktoren aus der Tabelle noch schafft. Warum wir deshalb schon bei Touren ab etwa 30 Kilometern zu mehr als 500 Wh raten, begründen wir im Beitrag Welcher E-Bike-Akku reicht?: Der Akku verliert über die Jahre Kapazität (nach etwa 500 Ladezyklen rechnen Hersteller mit rund 60 bis 80 Prozent), im Winter fehlt ein weiterer Teil, und eine leere Batterie unterwegs ist für Senioren unangenehmer als ein etwas höheres Gewicht.
Wo diese Einschätzung an Grenzen stößt
- Es gibt keine Garantiezahl. Die Quellen nennen Beispiele, aber auch Hersteller testen unterschiedlich. Vergleichen Sie Modelle nur, wenn dieselbe Prüfmethode zugrunde liegt.
- Motor und Software spielen mit. Ein sparsamer Motor mit kleinerem Akku kann weiter kommen als ein durstiger mit großem. Das lässt sich aus dem Datenblatt allein nicht ablesen.
- Ihre eigene Strecke zählt am meisten. Eine Probefahrt auf Ihrer üblichen Runde, wenn möglich mit Anstieg, sagt mehr als jede Tabelle. Fragen Sie den Händler, wie viel Prozent der Akku danach verbraucht hat.
- Wir haben nichts selbst gemessen. Alle Zahlen stammen aus den genannten Quellen.
Wie Sie den Akku möglichst lange fit halten, lesen Sie in Wie lange hält ein E-Bike-Akku? und für die kalte Jahreszeit in E-Bike im Winter fahren.
Quellen: Upway (upway.de) und Bikes.de (bikes.de), Reichweitenangaben und Einflussfaktoren; Bike-Magazin (bike-magazin.de), Kapazitätsverlust nach Ladezyklen. Stand der Informationen: Oktober 2026.



